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Die Entdeckung der neuen Peinlichkeit: Bayer Leverkusen

Was hatten die Anhänger der sogenannten “Werkself” vor dem Spiel am Eingangstor des Westfalenstadions noch für eine große Klappe. Natürlich ist mir klar, dass es zum Ritual des Fandaseins gehört zu betonen wie unwürdig doch die Existenz ist, wenn man nicht zum eigenen Verein gehört. Fans, die aber außer Antigesängen, die seit ca. 10 Jahren schon aus der Mode sind, nichts bieten, haben ein Fremdschämpotenzial, das noch größer ist als Wontorra und Lattek im Doppelpass.

Ja, es war schon niedlich, als die 50 Leute, die Fan einer Abteilung eines Chemiekonzerns sind, allen umstehenden mitteilten, dass deren Eltern zum S04 gehen. Als jedoch vier(!!) in schwarzgelb gewandete Leute entgegneten, dass wiederum die Eltern jener Chemieunfallopfer nicht einmal zum Fußball sondern zum Ballett pilgern, war die große Stille da. Großes Kino.

Das war aber noch nicht einmal alles. Auf dem Feld der Ehre ging die Peinlichkeit dann weiter. Eine ganze Halbzeit war die Mannschaft von Trainer Jupp Heynckes, der vor dem Spiel den BVB als Favorit ausrief, drückend überlegen. In Grund und Boden hätte man den BVB schießen können. Nichts gab es. Ganz im Stile eines notorischen Vizemeisters ließ man wunderbarste Chancen liegen und verteilte in der zweiten Halbzeit Gastgeschenke in Massen.

Man kann den Angestellten der Bayer AG auch nicht wirklich einen Vorwurf machen. Was Roman Weidenfeller gestern ablieferte war die beste Leistung von ihm seit einigen Jahren. Eigentlich fällt mir spontan nur ein Derby ein wo ich Roman eine bessere Leistung als beim 3:0-Kick gegen die Pillen attestieren würde.

Freude bereitet auch immer mehr unser Panther Lucas Barrios. Der Mann ist einfach nur abgebrüht. Der Junge hat nicht nur einen Torriecher für die Abstauber, er hat auch kein Problem damit Tore zu erarbeiten. Sein Schuss aus knapp 45 Metern wäre fast im Tor gelandet. Rene Adler hat leider richtig geschaltet und gesehen, dass dieser Ball gepasst hätte und hat mit einem Spurt von der Strafraumgrenze und seinem Hechtsprung so gerade eben das “Tor des Monats” verhindert.

Das Westfalenstadion am 20. März 2010

Ein typisches Bild der ersten Halbzeit: die Mannschaften standen solide und man hatte nicht das Gefühl Zeuge eines überragenden Spiels zu werden.

Auch für das Herz wurde etwas geboten: Dimitar Rangelov, der wohl größte Pechvogel im aktuellen Kader, erzielte mit dem 3:0-Treffer sein erstes Saisontor. Was musste der arme Kerl durchmachen. Ein Mittelfußbruch warf ihn aus der Bahn. Zuvor schien sich schon anzudeuten, dass der Sprung von Cottbus nach Dortmund vielleicht zu groß für ihn war, dabei hatte er einfach nur das Pech, dass Lucas einschlug wie eine Bombe und damit alle anderen verblassten.

Doch zurück zu den Peinlichkeiten von Bayer 04 Leverkusen. Eigentlich hat dieses Unternehmen nur eine Peinlichkeit: seine Fans. Die Anekdote vor dem Spiel ließ erahnen was man während des Spiels zu erwarten hatte. Machen wir uns nichts vor, die Südtribüne hat die erste Halbzeit gepennt. Offensichtlich hatten sich sehr viele schon vor dem Spiel klar gemacht, dass nichts zu erwarten ist und warteten jetzt nur noch auf die Gegentore. Normale Fans würden bei so einer Stille im Stadion und so einer Überlegenheit der eigenen Mannschaft ihr Team nach vorne und den Ball ins Tor brüllen. Nicht so die Fans aus Leverkusen.

In Leverkusen scheint man offensichtlich nur Anti-Gesänge zu kennen. Das obligatorische “BVB Hurensöhne”, das jeden Dortmunder mittlerweile ungefähr so schwer trifft wie eine Niederlage des FC Schalke 04, war noch nicht einmal der Gipfel der Peinlichkeit. Nein, man arbeitete sich lieber am 1. FC Köln ab. Was ist los liebe Leverkusener? Ist euch euer Team egal? Für solche Fans würden sich nicht viele Spieler den Arsch aufreißen.

Schade auch, dass es mal wieder am Gästeblock gescheitert ist, dass das Westfalenstadion ausverkauft war. Die Strecke Leverkusen-Dortmund ist natürlich extrem. Besonders wenn man um die Meisterschaft spielt. Lediglich ca. 3000 Anhänger dieser Betriebssportgruppe haben den etwa einstündigen Weg über die A1 gefunden. Und dann nach dieser Ochsentour eine solch lächerliche Darbietung, na herzlichen Glückwunsch.

Wie man sein Team unterstützt, haben die Fans der Borussia zumindest in der zweiten Halbzeit angedeutet. Es war nicht die beste Saisonleistung der Zuschauer, aber sie war schon ganz okay. Hans-Joachim Watzke sollte langsam aber mal darüber nachdenken in Verhandlungen mit SCA, dem Hersteller von Tempo Taschentüchern, zu treten. Das beim Bochum-Heimspiel begonnene Ritual jeden Gegner, der von uns vernascht wird, mit einem Taschentuchwinken zu verabschieden, treibt den Umsatz von SCA in schwindelnde Höhen. Ich warte nur darauf bis die ersten Fans einer anderen Mannschaft das kopieren.

Emotionen, die nur der Ballspielverein bieten kann. Das Stadion nach dem 2:0 von Lucas Barrios.

Alles in allem war es ein ganz annehmbarer Abend, der noch dadurch belohnt wird, dass der direkte Konkurrent um einen Platz in der Europa League, der Hamburger SV, und die Schande des Ruhrgebiets 04 sich mit einem Unentschieden getrennt haben. Das hilft beiden nicht weiter. So muss das.

Zu Leverkusen fällt mir dann nur noch eines ein: ihr werdet nie Deutscher Meister!

  1. Aufmerksamer Beobachter
    22. März 2010 um 10:45 | #1

    Da bin ich doch schon wieder über einen Deiner Artikel gestolpert. Das Taschentuch-Ritual ist keine Dortmunder Erfindung. Im großen Stil wird das in Kaiserslautern schon seit Jahren fabriziert.

    Und etwas weniger Schadenfreude und Überheblichkeit im Unterton würde Deinen Berichten gut tun. Sonst stolper ich in Zukunft nicht mehr über die Einträge Deines Blogs.

    Aber auch dieser Kommentar wird unter Garantie nicht veröffentlicht.

  2. Tremonia MCMIX
    23. März 2010 um 19:43 | #2

    Ich weiß, dass das Taschentuch-Ritual keine Dortmunder Erfindung ist. Auch die Lauterer haben das nur kopiert. Beim Eishockey kannte man das schon in den Siebzigern. Aus meinem Text geht auch die Erfindungsbehauptung nicht hervor. Es wurde eine Feststellung getroffen, dass man beim Bochum-Heimspiel damit begonnen hatte.

    Die Schadenfreude und Überheblichkeit, die du aus meinen Texten erkennen willst, werde ich wohl nicht abstellen können. Ich bin nun einmal ein Fan des Ballspielverein Borussia 09 Dortmund. Es gibt nur diesen einen Verein für mich und andere Dortmund-Fans wird es wohl kaum stören. Der Untertitel des Blogs heißt nicht umsonst “Die Welt durch die schwarz-gelbe Brille betrachtet”.

    P.S.: Deine Kommentare werden durchaus veröffentlicht. Solange du dich nicht wie bei deinem ersten Versuch auf das Niveau eines Schalkers herabbegibst, ist das alles kein Thema für mich.

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