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Ich hab’ da noch ‘nen Deckel offen

In vielen Bundesligastadien gibt es sie: die Bezahlkarten. Mit Beginn der Saison 2010/11 wird auch der glorreiche Ballspielverein von 1909 im Westfalenstadion dieses System einführen. Passend zum bodenständigen Image, das sich Borussia in den letzten fünf Jahren zu geben sucht, ist der Name an die Kneipenkultur angelehnt aus der die Borussia letztlich entstanden ist: Stadiondeckel.

Der Stadiondeckel von Borussia Dortmund

So sieht der Stadiondeckel aus.

Das System ist einfach. Man lädt eine Plastikkarte mit einem Guthaben auf und kann dann an den Verpflegungsständen durch einfaches Vorlegen der Karte, die übrigens von justpay stammt, bezahlen. Es entfällt das heraus suchen, überreichen, einsortieren und ausgeben des Bargelds beim Bezahlvorgang. Ein solcher Vorgang dauert, so haben es mal Controller bei Lidl gemessen, im Schnitt 32 Sekunden. Bei so einer Karte sind es 5 Sekunden. Macht pro Kunden eine Zeitersparnis von 27 Sekunden. Das macht schon etwas aus.

Aber Borussia wäre nicht Borussia, wenn nicht gleich wieder die ganzen Bedenkenträger aus ihren Löchern gekrochen kommen würden und in den einschlägigen Foren herum maulen. Schnell hatte man sich auf den sogenannten Schlummergroschen eingeschossen. Borussia als oberster Abzocker der eigenen Fans!!

Jetzt mal Tacheles, liebe Mitborussen! Muss man denn immer gleich gegen alles aus Prinzip sein? Euer Verfolgungswahn gegenüber dem eigenen Verein ist einfach nur lächerlich. Klar, es geht euch nur um den Kampf gegen den modernen Fußball. So eine Spinnerei. Seid doch einmal ehrlich und benutzt andere Vokabeln: “Kampf gegen den Kapitalismus” nennen Marxisten und Kommunisten das. Um nichts anderes geht es hier doch.

Da wird herum gejammert, dass ein solches System unfreundlich gegenüber den Gastfans sei, da diese oft nach dem Spiel keine Zeit hätten und nicht die Karte entladen könnten. Beim BVB kann man im Gästebereich weiterhin mit Bargeld zahlen. Außer die Fans jener Vereine, die selbst ein System von justpay haben und somit die Karte eh schon haben. Also: wo ist das Problem?

Der nächste jammert, dass man dem Verein schließlich ein zinsloses Darlehen geben würde. Immerhin würde sich kaum ein Fan die Karte wieder entladen und dann beim nächsten Spiel neu aufladen. Ja und? Wie läuft es denn bei eurer Hausbank, ihr Experten für das Finanzwesen? Jeden Monat geht euer Gehalt (oder die Stütze) auf das Bankkonto ein und schlummert bis zur Ausgabe vor sich hin. Also: wo ist das Problem?

Wiederum andere jammern, dass Borussia sich an den sogenannten Schlummergroschen bereichern würde. Oh mein Gott! Wie böse vom BVB! Da versucht ein börsennotiertes Unternehmen Geld zu verdienen. Welch ein Unding! Liebe Leute, aber wir reden hier von einem Bundesligaverein, der noch dazu im internationalen Wettbewerb steht. Von Luft und Liebe kriegt man keinen Lucas Barrios bezahlt. Auch ein Jürgen Klopp arbeitet nicht beim BVB, weil er die Farben so geil findet. Für das Gehalt eines Spargelstechers kriegt man keinen Trainer. Also: wo ist das Problem?

Am lustigsten sind all jene, die jetzt groß und vollmundig ankündigen, dass sie im Stadion nichts mehr kaufen würden. Dann lasst es doch, ihr Pussies! Noch nie ist jemand im Westfalenstadion unter Vorhaltung einer geladenen und entsicherten Schusswaffe dazu gezwungen worden ein Bier und eine Bratwurst zu kaufen. Man muss nichts kaufen. Man muss kein Geld im Stadion lassen.

Den Vogel hat aber jemand abgeschossen, der ernsthaft behauptet hat, dass ein solches Bezahlsystem eine Benachteiligung sozial schwacher Menschen sei. Besonders lächerlich war, dass er damit sogar Schüler einbezog, aber das ist ein anderes Thema. Wo werden hier sozial schwache Menschen benachteiligt? Nach wie vor sind die Preise im Stadion sehr hoch. Das waren sie aber auch schon vorher. Jemand, der sich vor dem Spiel eine Karte holt, während des Spiels konsumiert und hinterher die Karte wieder abgibt, hat exakt genauso viel im Portemaine wie er es mit Bargeldzahlung gehabt hätte. Nicht einen Cent weniger.

Viele Fans der Borussia, insbesondere die sogenannte U25-Fraktion, sind inzwischen zu kompletten Nörgelköppen verkommen. Man muss nicht aus Prinzip gegen etwas sein.

Ich habe fertig.

  1. 7. August 2010 um 15:27 | #1
  2. Tremonia MCMIX
    7. August 2010 um 15:55 | #2

    - schnellere Abwicklung an den Ständen
    - nie wieder zwei Tonnen Kleingeld im Portemaine nach einem Heimspiel
    - weniger Personalkosten für den BVB durch den Wegfall der Kassenzählungen und -prüfungen
    - Zinsgewinne mit Schlummergroschen für den Ballspielverein
    - man kann Geld auf die Karte aufladen, wenn es zur Verfügung steht und hat es dann auch, wenn man gerade mal sonst knapp bei Kasse ist
    - grundsätzlich mehr Geld für den BVB, das in Schuldentilgung, neue Spieler, bessere Infrastruktur, weiterhin günstige Eintrittskarten oder ganz banal in die Gehälter der Mitarbeiter des BVB fließen kann

    Mir fallen bestimmt noch weitere Vorteile ein, wenn ich länger nachdenke. Vielleicht mag man den Vorteil nicht am eigenen Leib direkt spüren, aber eine Borussia, die mehr Geld hat als ein Kreisligist ist auch für den Fan ein Vorteil.

  3. juetty
    8. August 2010 um 21:27 | #3

    - schnellere Abwicklung an den Ständen

    “Das macht 7,40!” Piep “Auf ihrer Karte sind nur noch 6,30€ drauf” – “Kann doch gar nicht sein. Prüfen Sie bitte noch einmal”… usw. Zudem muss ich ja nun auch 2 Stände besuchen bevor ich ein Bier bekomme.

    – weniger Personalkosten für den BVB durch den Wegfall der Kassenzählungen und -prüfungen

    Die 150 (?) Menschen die die Karten verkaufen/aufladen/zurücknehmen arbeiten sicher auch nicht umsonst.

    – Zinsgewinne mit Schlummergroschen für den Ballspielverein

    Und (recht kleine) Zinsverluste für jeden Karteninhaber.

    - man kann Geld auf die Karte aufladen, wenn es zur Verfügung steht und hat es dann auch, wenn man gerade mal sonst knapp bei Kasse ist

    Wenn ich knapp bei Kasse bin, ist es mir in der Regel lieber, wenn ich mit meinen letzten 20€ noch was im Supermarkt einkaufen kann, als dass ich damit an einem Nachmittag noch 3 Bier trinken kann.

    - grundsätzlich mehr Geld für den BVB, das in Schuldentilgung, neue Spieler, bessere Infrastruktur, weiterhin günstige Eintrittskarten oder ganz banal in die Gehälter der Mitarbeiter des BVB fließen kann

    Wenn Dir soviel daran liegt, überweis dem BVB doch einfach so jeden Monat 20€ extra. Wir Fans zahlen doch nun wirklich schon genug für unser Hobby.

  4. Tremonia MCMIX
    9. August 2010 um 18:10 | #4

    Nun, das Problem mit gesperrten Karten kann man auch bei ALDI an der Kasse haben. Es gibt natürlich immer Experten, die nicht wissen wie viel auf ihrem Konto ist. Stimmt. Aber denen nimmt man das Bier eben weg und stellt es dem nächsten hin. Das kommt schließlich nicht bei jedem dritten Kunden vor.

    Die Menschen, die diese Karten verteilen sind weniger als die Personen, die an den Ständen hinterher das Geld in den Kassen zählen und kontrollieren.

    Die Zinsverluste hast du bei deinem Girokonto auch. Es sei denn du bist einer der wenigen, die Zinsen auf ihr Girokonto erhalten. Dann gehörst du aber auch schon zu den Premiumkunden deiner Hausbank. In der Regel erhält man solche Konten nur mit monatlichen Einzahlungen ab 2.500 Euro.

    Wenn du knapp bei Kasse bist, musst du weder Geld auf die Karte aufladen, noch es darauf liegen lassen. Du kannst di 20 Euro natürlich auch weiterhin im Supermarkt lassen und auch weiterhin die Stadionpreise links liegen lassen.

    Warum sollte ich 20 Euro extra überweisen? Die Karte kostet mich als Fan rein gar nichts. Es sei denn, dass ich mein Geld drauf lasse und nie wieder hin gehe. Wer das macht, dem kann man nur sagen: selber Schuld. Aber für die Leute, die ihr Geld verschenken, soll der BVB auf dieses System verzichten?

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